Uganda: Vom Slumkind zur Schachmeisterin

Phiona Mutesi ist eine internationale Schachmeisterin

Phiona Mutesi ist eine internationale Schachmeisterin

Es mutet fast wie ein Märchen an: In Uganda (Ostafrika) entwickelt sich ein junges Mädchen von einer Analphabetin zu einer internationalen Schachmeisterin. Phiona Mutesi wurde zwischen 1993 und 1995 in einem Slum in der ugandischen Hauptstadt Kampala geboren, ihr exaktes Geburtsdatum kennt sie nicht.

Sie wuchs im Katwe-Slum auf. Dieser Stadtteil ist von großer Armut, Kriminalität, Drogenmissbrauch und Krankheiten geprägt. Es gibt weder elektrischen Strom noch fließendes Wasser. Die Menschen wohnen in kleinen Hütten. Die AIDS-Rate ist hoch. Auch Phiona Mutesis Vater starb an der Infektionskrankheit als sie ungefähr drei Jahre alt war.

Ihre Mutter versuchte, sie und ihre Geschwister durch den Verkauf von Obst zu ernähren.  Phiona litt dennoch häufig unter Hunger, eine Schule besuchte sie nur kurze Zeit. „Es war ein wirklich hartes Leben, ich schlief oft auf der Straße“, erinnert sie sich heute. Mit ihrem Bruder ging sie zu dieser Zeit zu einer Missionsstation, um dort Essen zu bekommen.

Robert Katende, Priester und Schachlehrer, machte ihr damals ein ganz besonderes Angebot: Phiona sollte etwas zu essen bekommen, wenn sie Schachunterricht nimmt. „Damals bedeutete Schach für mich nur eine Schale Haferbrei“, sagte sie im Gespräch mit dem Reporter Tim Crothers vom Sport-Magazin ESPN. „Aber als ich zum ersten Mal Schach sah, dachte ich: `Was ist das, was die anderen Kinder bloß so leise sein lässt?` Dann sah ich, wie sie Schach spielten und fröhlich waren, und ich wollte auch eine Chance bekommen, so glücklich zu werden.“  

Von diesem Zeitpunkt an ging Phiona jeden Tag zur Missionsstation. Schachlehrer  Robert Katende erkannte sofort ihr großes Talent. Er ließ sie schon bald gegen die stärksten Spieler seiner Gruppe antreten. „Phiona spielt sehr aggressiv. Sie liebt es, zu attackieren“, sagte er gegenüber ESPN.

Bereits ein Jahr später war das Mädchen, das als Kind nicht wirklich Schreiben und Lesen gelernt hat, die nationale Meisterin in Uganda. Heute ist Phiona Mutesi eine internationale Schachmeisterin. Nach einer Schach-Ausbildung in den USA nimmt sie an Turnieren auf der ganzen Welt teil und ist auf dem besten Weg zur Großmeisterin.

Africa Race startet in Saint Cyprien

5600 Kilometer durch Frankreich, Spanien, Marokko, Mauretanien und Senegal: Rund 500 Rallye-Fahrer aus 26 Nationen gehen am 27. Dezember im französischen Saint Cyprien an den Start. Nach elf harten Tagesetappen, die zum großen Teil durch afrikanische Wüsten führen, werden sie am 9. Januar in Senegals Hauptstadt Dakar erwatet. Das Africa Race folgt der Originalroute der ursprünglichen Rallye Paris Dakar, die seit 2009 unter dem Namen Rallye Dakar in Südamerika ausgetragen wird.

Africa Race (formerly Paris Dakar)

Africa Race (formerly Paris Dakar)

Das Africa Race knüpft damit an die berühmteste Langstrecken- und Wüstenrallye an. Die erste Rallye Paris Dakar fand 1978 statt. Der französische Motorradrennfahrer Thierry Sabine hatte sie gegründet. Sein Lebensmotto „If life gets boring, risk it!“ wird häufig zitiert. Er starb 1986 bei einem Hubschrauberabsturz während der Rallye. Sechs Jahre nach seinem Tod führte Paris Dakar durch ganz Afrika, das Rennen dauerte insgesamt drei Wochen.

Mit seinen langen Tages-Etappen, die zwischen 460 und 670 Kilometer lang sind, ist das Africa Race ein hartes Marathonrennen. Es gibt nur einen Ruhetag, ansonsten sind die Fahrer jeden Tag unterwegs. Gerade für Rallye-Fahrer, die ohne Mechanikerteam und ohne Werksunterstützung unterwegs sind, sind die Etappen eine besondere Belastung. Diese Teilnehmer müssen Reparaturen nach dem Ende der Tagesetappe selbst erledigen, sie reduzieren daher oft ihren Schlaf.

Nicht ohne Grund fallen bis zu fünfzig Prozent der Fahrer während des Rennens aus dem Wettbewerb. Im Laufe der Geschichte der Rallye kam es außerdem zu einer großen Zahl an Unfällen, bei denen bisher 61 Menschen zu Tode kamen. In den letzten Jahren waren es vor allem Motorradfahrer, die tödlich verunglückten.

Am aktuellen Africa Race werden auch der Schauspieler Tobias Moretti und sein Bruder Gregor Bloeb, ebenfalls ein erfolgreicher Darsteller, teilnehmen. Die beiden wollen die Strecke mit dem Motorrad bezwingen. Von dem Motocross-Meister Cyril Despres, der die Ralley in Afrika bereits zwei Mal gewonnen hat, bekamen Moretti und Bloeb jetzt ein ganz besonderes Geschenk: eine Dose Baby-Puder.

„Das werdet ihr für euren Hintern brauchen“, erklärte Despres den Brüdern. Immerhin führt die 5600 Kilometer-Strecke nicht nur durch Wüsten sondern auch über Schotter- und Felspisten. Es wird Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius am Tag geben, während das Thermometer nachts bis auf den Gefrierpunkt fallen kann.

Die Nationalflagge von Kenia

Kenia: 39 Menschen sterben bei Zusammenstößen

Die Nationalflagge von Kenia

Die Nationalflagge von Kenia

Bei Konflikten zwischen rivalisierenden Volksgruppen sind im kenianischen Bezirk Tana River mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Getöteten sind auch dreizehn Kinder und sechs Frauen. Am frühen Freitagmorgen (21.12.12) hatten Männer des Volksstamms der Pokomo das Dorf Kipao angegriffen, dessen Bewohner zur Volksgruppe der Orma gehören. Bei dem Angriff wurden ungefähr 50 Häuser in Brand gesteckt. Die Kontrahenten gehen bei diesen Zusammenstößen oftmals sehr brutal vor. Als Waffen nutzen sie nicht nur Gewehre und Pistolen sondern ebenso lange Macheten und Speere.

Nach Einschätzung der kenianischen Polizei ist der Angriff eine Rache-Aktion: in den vergangenen Monaten hatten die Orma die Pokomo mehrfach attackiert. Bei den Zusammenstößen sind bis Anfang September mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen.

Während die Orma Landwirtschaft betreiben, sind die Pokomo ein Hirtenvolk. Die unterschiedlichen Lebensweisen der beiden Volksgruppen sorgen immer wieder für erbitterte Konflikte. Die Orma und die Pokomo geraten seit vielen Jahren regelmäßig durch Fragen des Landbesitzes, der Weiderechte und über den Zugang zum Wasser in Streit. In der Vergangenheit hatten Attacken durch die eine Gemeinschaft immer wieder für blutige Racheaktionen durch den jeweils anderen Volksstamm gesorgt. Im September hat die Regierung Kenias 1000 Soldaten in die Region geschickt, seitdem hat es kaum noch Gewaltausbrüche zwischen den Stämmen gegeben.

„Der aktuelle Angriff ist vermutlich durch die Entwaffnungskampagne der Behörden ausgelöst worden. Die Pokomo fühlten sich durch die Entwaffnung benachteiligt“, teilte die Polizei dem Nachrichtenportal Africa News mit. Neben den mindestens 39 Toten hat es zahlreiche Verletzte gegeben. Wegen den immer wieder aufbrechenden Konflikten ist das Rote Kreuz seit längerer Zeit vor Ort und konnte auch jetzt schnell helfen. Die Schwerverletzten wurden in die Stadt Mombasa geflogen.

Mehr als 150 Männer der Pokomo waren an dem Überfall auf das Dorf Kipao beteiligt. Die meisten Dorfbewohner sind inzwischen aus dem Ort geflohen. Zurzeit sind immer noch Teams der Polizei und des Roten Kreuzes dabei, das Gebiet nach weiteren Verletzten zu durchkämmen.

Robert Mugabe

Simbabwe: Robert Mugabe will eine neue Hauptstadt bauen

Robert Mugabe

Robert Mugabe

Robert Mugabe hat seine politische Arbeit bereits Anfang der 1960er Jahre als Aktivist gegen den Kolonialismus begonnen. Seit 1987 ist er Präsident von Simbabwe. Der ehemalige Kämpfer für Freiheit und soziale Gerechtigkeit geriet ab Mitte der 90er Jahre selbst in die Kritik, als Korruption und Intransparenz wieder zunahmen. Seit einiger Zeit regiert Mugabe das Land im Süden Afrikas als Diktator. Simbabwe wurde wegen der Menschenrechtsverletzungen seiner Regierung aus dem Commonwealth ausgeschlossen. Außerdem wird ihm die Einreise in die Europäische Union in der Regel verweigert.

Jetzt will sich der 89-jährige Staatschef eine neue Hauptstadt bauen. Die von ihm geplante Kapitale soll einen Präsidentenpalast, eine Luxus-Einkaufsmeile, Ministerialvillen und ein imposantes Parlamentsgebäude besitzen. Angesichts der Tatsache, dass Simbabwe eines der ärmsten Länder der Welt ist, mit einer Arbeitslosigkeit von etwa 80 Prozent, stellt sich natürlich die Frage, woher das Geld für diese Pläne kommen soll.

Für sein greisenhaftes Alter ist Mugabe immer noch bemerkenswert fit. Er regiert Simbabwe schon lange wie ein herrischer König und möchte sich mit der neuen Hauptstadt ein Denkmal setzen. Der neue Regierungssitz soll in Mount Hampden entstehen, das in Robert Mugabes Heimatbezirk Zvimba liegt. Die meisten Einwohner Simbabwes können seine Pläne überhaupt nicht nachvollziehen.

„Das ist absolut lächerlich, ganz Simbabwe steckt in der Krise und leidet unter der Armut und diese Regierung hat nichts Besseres zu tun, als eine neue Hauptstadt zu bauen? Ausgerechnet in Zvimba, der Heimat Robert Mugabes?“ empörte sich der Grundschullehrer John Mutsvanga im Gespräch mit dem ARD-Korrespondenten Claus Stäcker. Nach der Ansicht Mutsvangas sollte das Geld besser in Bildung gesteckt werden. Er sagte aber auch: „Die Leute können nicht mal mehr Lebensmittel kaufen. Dieses Geld für eine neue Hauptstadt auszugeben ist eine Ohrfeige für alle armen Simbabwer.“

Der Politologe Pezizsai Ruhanya kann dieser Kritik nur zustimmen. „Simbabwe hat so viele  Probleme. Die Regierung erzählt uns, dass unser Staatshaushalt 3,5 Milliarden Dollar beträgt – für ein ganzes Jahr“, sagte er der ARD. „Wo soll da das Geld für die neue Hauptstadt herkommen?“

Tunesien: Steine gegen den Präsidenten

Moncef Marzouki

Moncef Marzouki

Zwei Jahre nach dem Beginn der Revolution kam es in Tunesien jetzt zu heftigen Protesten gegen die Regierung. Demonstranten bewarfen Staatsoberhaupt Moncef Marzouki bei einer Gedenkveranstaltung in der Stadt Sidi Bouzid mit Steinen. Tausende protestierten gegen die hohe Arbeitslosigkeit und die Politik der islamistischen Regierungspartei.

Nach dem Sturz des diktatorischen Machthabers Ben Ali im Jahr 2010 war es zum ersten Mal seit 55 Jahren zu demokratischen Wahlen gekommen. Tunesien hatte zuvor unter der autoritär regierenden Einheitspartei Neo Destour/RCD gelitten. Die Revolution war vor zwei Jahren durch die Selbstverbrennung des Straßenverkäufers Mohammed Bouazizi ausgelöst worden, der mit seinem spektakulären Suizid auf die sozialen Missstände in Tunesien aufmerksam machen wollte.

Der amtierende Präsident Moncef Marzouki hatte am Gedenktag einen Kranz am Grab des Straßenverkäufers Bouazizis niederlegen wollen. Während dieser Handlung warfen Demonstranten Steine auf Marzouki. Die Menschenmenge rief „Verschwinde! Verschwinde!“ und veranstaltete ein gellendes Pfeifkonzert. Der Präsident wurde anschließend von Sicherheitskräften in staatliche Gebäude in der Nähe evakuiert. Marzouki blieb unverletzt.

Kurz vor den Steinwürfen hatte er die Bevölkerung in einer Rede aufgefordert, mehr Geduld zu haben. „Die Regierung hat keinen Zauberstab, mit dem sie die Dinge einfach ändern könnte“, sagte der Präsident. „Wir brauchen Zeit, um mit dem Erbe von 55 Jahren Diktatur aufzuräumen. Zum ersten Mal haben wir eine Regierung, die ihr eigenes Volk nicht bestiehlt.“

Die Revolution gegen den Diktator Ben Ali war vor allem durch die extrem hohe Arbeitslosigkeit und die große Armut entstanden. Doch an der wirtschaftlichen Situation Tunesiens hat sich seit dem kaum etwas verbessert. Die Wirtschaft des nordafrikanischen Landes leidet auch unter der Euro-Krise, da die wichtigsten Handelspartner europäischer Herkunft sind.

In den letzten Monaten muss sich die tunesische Polizei immer wieder mit gewalttätigen Demonstranten auseinandersetzen. Immer wieder kommt zu Zusammenstößen und Übergriffen, mit der die Protestler ihre Wut über die Politik der Regierung zeigen. In vielen Regionen gab es in letzter Zeit auch zahlreiche Streiks, mit denen Arbeitnehmer die mangelhaften Arbeitsbedingungen und zu geringen Löhne bekämpfen.  

Deutsche Fregatte vor Somalia

Somalia: Erfolgreicher Kampf gegen Piraterie am Horn von Afrika

Deutsche Fregatte vor Somalia

Deutsche Fregatte vor Somalia

Seit Jahren sorgen Piraten in den Gewässern vor Somalias Küste immer wieder für Schlagzeilen. Die modernen Seeräuber kaperten zahlreiche große Frachtschiffe und verlangten Lösegeld von den Eignern. Mit ihren kriminellen Aktionen störten die Piraten wichtige internationale Schiffsrouten empfindlich. Seit etwa einem Jahr bemüht sich die Nato mit einer internationalen Flotte, das Kapern der Schiffe zu verhindern.

Diese Maßnahmen scheinen erfolgreich zu sein: In den letzten sechs Monaten ist kein weiteres Schiff vor der Küste Ostafrikas entführt worden. „Dies ist zum einen den Bemühungen der internationalen Flotte zu verdanken, zum anderen ist es aber auch den besseren Sicherheitsmaßnahmen auf den Handelsschiffen geschuldet“, teilte Kommodore Ben Bekkering am Dienstag auf einer Pressekonferenz mit.

Allerdings befinden sich noch immer 136 Geiseln und fünf Schiffe in den Händen von Piraten. Diese sind nach Angaben von Bekkering schon in den zurückliegenden Jahren entführt worden. Alleine im Jahr 2011 wurden fünf Schiffe mit insgesamt 69 Besatzungsmitgliedern gekidnappt. Die Frachtschiffe fuhren unter deutscher, chinesischer, dänischer und US-amerikanischer Flagge. Bei Befreiungsaktionen starben zahlreiche Geiseln, Piraten und Soldaten. In Hamburg kam es im vergangenen Oktober zum ersten Piratenprozess seit einigen Jahrhunderten. Die zehn somalischen Piraten waren von Holland an Deutschland ausgeliefert worden.    

Der Bürgerkrieg in Somalia schaffte erst den rechtlosen Raum, in dem die gut bewaffneten Milizen als Piraten operierten, um so neues Geld für Waffen und Munition zu erpressen. Nach Schätzungen agierten zu bestimmten Zeiten bis zu tausend Piraten von der Küste Somalias aus im Roten Meer und im Indischen Ozean. Die Regierung Somalias hatte nicht die erforderlichen Mittel, um gegen die Kriminellen vorgehen zu können. Daher ist der Einsatz der Marine der Nato und anderer Staaten von großer Bedeutung.

Zurzeit patrouillieren kontinuierlich ungefähr 20 Marine-Schiffe der EU, USA, Russland, China und der Nato vor der somalischen Küste. Deutsche Handelsschiffe werden nach einem aktuellen Beschluss des Bundestages durch private bewaffnete Sicherheitskräfte begleitet. Die Bundespolizei und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle erteilen die Zulassung der privaten Security-Unternehmen.
 

Nigeria: Mutter der Finanzministerin aus Entführung befreit

Ngozi Okonjo-Iweala

Ngozi Okonjo-Iweala

Unbekannte entführten am 10. Dezember die Mutter der nigerianischen Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala. In Nigeria kommt es in letzter Zeit immer häufiger zu Entführungen. Kriminelle versuchen so, größere Summen durch das Kidnapping von Geschäftsleuten, Fußballern oder Wissenschaftlern zu erpressen. Besonders im Süden des Landes scheint das Kidnapping inzwischen zu den wichtigsten Einnahmequellen von Kriminellen zu gehören.

Und in dieser Region wurde auch die 82-jährige Mutter der Ministerin entführt. Bei der alten Dame handelt es sich um die ehemalige Professorin Kamene Okonjo. Da es bisher keine Informationen über die Entführer gibt, ist es noch unklar, ob die Entführung aus politischen oder finanziellen Gründen geschah. Am vergangenen Sonntag entließen die Kidnapper ihr Opfer in die Freiheit. Die 82-Jährige wurde auf einer Hauptstraße in der Nähe ihres Hauses entdeckt.

„Die Entführer von Frau Okonjo fühlten sich wahrscheinlich arg unter Druck gesetzt, da ihnen die Polizei und die Armee wohl dicht auf den Fersen waren“, sagte Polizeioffizier Emmanuel Uduaghan dem britischen Fernsehsender BBC. „Wir haben bereits eine große Zahl an Hausdurchsuchungen durchgeführt. Ich denke, dass es dieser Druck war, der die Kidnapper dazu brachte, ihr Opfer auf der Hauptstraße frei zu lassen.“

Im Rahmen der Fahndung habe die Polizei mehrere Dutzend Menschen festgenommen. Der Polizeisprecher teilte auch mit, dass es in letzter Zeit mehrere Drohungen gegen die Finanzministerin Okonjo-Iweala gegeben habe. Inwieweit dies mit der Entführung ihrer Mutter zusammenhänge, müsse noch geklärt werden. Bisher gibt es keine Informationen darüber, ob eventuell doch ein Lösegeld gezahlt wurde.

Ngozi Okonjo-Iweala ist seit 2011 Finanzministerin im Kabinett von Präsident Goodluck Jonathan. Die 58-jährige Politikerin war bereits von 2003 bis 2006 Wirtschaftsministerin und für einige Monate auch die Außenministerin Nigerias. Okonjo-Iweala schloss ihr Studium an der Harvard University mit magna cum laude ab. Vor ihrer politischen Tätigkeit arbeitete sie mehr als zwanzig Jahre als Ökonomin bei der Weltbank in Washington. Seit ihrer Vereidigung gab es immer wieder Vorwürfe gegen die Ministerin: Sie habe mehrere  Millionen US-Dollar aus Staatsvermögen widerrechtlich an Familienmitglieder überwiesen.

Jacob Zuma - amtierender Präsident von Südafrika

Südafrika: Kampf um den Vorsitz des ANC

Jacob Zuma - amtierender Präsident von Südafrika

Jacob Zuma – amtierender Präsident von Südafrika

Die Partei African National Congress (ANC) versammelte sich am Sonntag in Mangaung, Südafrika, zu einem sechstägigen Parteitag. Der ANC wird einen Vorsitzenden wählen, der ihn in die kommenden Wahlen führen wird. Die nahezu 4500 Delegierten werden sich zwischen dem aktuellen Präsidenten Jacob Zuma und Herausforderer Kgalem Motlanthe entscheiden müssen. Beobachter erwarten einen harten Machtkampf der beiden Rivalen.

Jacob Zuma zog von Applaus begleitet in den Saal ein, er trug eine Lederjacke in den grün-gelb-schwarzen Farben des ANC. Der amtierende Präsident winkte optimistisch in die Reihen der versammelten Parteimitglieder. Der siegreiche Kandidat wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der nächste Regierungschef Südafrikas sein, da der ANC traditionell seinen Parteivorsitzenden als Präsidentschaftskandidaten aufstellt. Bei den letzten Wahlen konnte die Partei mit 66 Prozent einen deutlichen Sieg erreichen.

Der ANC ist seit einiger Zeit in Korruptionsaffären und heftige Flügelkämpfe verwickelt. Vor drei Jahren spaltete sich ein Flügel ganz ab und gründete die Partei Congress of the People (COPE). Die Ursache der Abspaltung war eine grundsätzliche Kritik an der Parteiführung. Heute steht Kgalem Motlanthe an der Spitze der parteininternen Kritiker. Dem regierenden Präsidenten wird vorgeworfen, dass er sich zu wenig um die zentralen wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes kümmert.

Obwohl Südafrika die größte Volkswirtschaft Afrikas ist, liegt die Arbeitslosigkeit bei 25 Prozent. Mehr als die Hälfte der Südafrikaner leben von weniger als zwei Euro pro Tag. Kritiker auch innerhalb des ANC werfen Zuma vor, dass seine Politik die soziale Spaltung des Landes noch verstärkt hat. In Südafrika kommt es in der letzten Zeit regelmäßig zu gewaltsamen Protesten, immer wieder brennen Autos und Barrikaden. Selbst im Bergbau, dem bedeutendsten  Wirtschaftszweig des Landes, kam es in den vergangenen Wochen zu blutigen Arbeitskämpfen.   

Jacob Zuma geriet aber auch wegen zahlreicher Korruptionsskandalen und Affären in die Kritik. Einige Minister seiner Regierung sowie zahlreiche führende Beamte mussten nach Korruptionsfällen ihren Hut nehmen. Dem Präsidenten wird außerdem vorgeworfen, dass er öffentliche Gelder zum Ausbau seiner Privatgebäude missbraucht habe.

WWF: Organisierte Wilderei gefährdet nationale Sicherheit afrikanischer Staaten

Elefant

In einigen afrikanischen Ländern finanzieren sich Terroristen durch Handel mit Elfenbein und ähnlichem.

„In einigen afrikanischen Staaten finanzieren sich terroristische Zellen mit den Gewinnen aus dem Handel mit illegal getöteten Wildtieren. Damit gefährden sie die nationale Sicherheit in diesen oftmals instabilen Ländern“, erklärte die internationale Organisation World Wide Fund For Nature (WWF) am Donnerstag. Der illegale Verkauf von Wildtierfleisch, Wildtierprodukten wie Elfenbein und Nashorn aber auch von seltenen Hölzern und Fischen bringt den kriminellen Händlern jährlich etwa 19 Milliarden Dollar ein. Das ergab eine vom WWF im Auftrag gegebene Studie.

Nach Einschätzung der Naturschutzorganisation ist die derzeitige Bekämpfung des Elfenbein- und Nashornhandels absolut unzureichend. „Bisher hatte der Kampf gegen die mächtigen und gut ausgerüsteten Verbrechersyndikate wenig Erfolg. Das darf auf keinen Fall so bleiben“, sagte Carter Roberts, Präsident des WWFs, in einem Interview mit der britischen Zeitung The Guardian. „Wir verlieren sonst ganze Populationen von Wildtieren an die organisierten Wilderer.“ Nach seiner Einschätzung gibt es große Schmugglerringe, die beispielsweise Asien von Afrika aus mit Nashorn und anderen Teilen von bedrohten Tierarten beliefern. Die Wilderei und der illegale Handel mit geschützten Naturgütern ist vom Umsatz her das viertgrößte kriminelle Geschäftsfeld weltweit.

In welchen afrikanischen Staaten welche Summe mit dem Verkauf bedrohter und geschützter Pflanzen- und Tierarten gemacht werden, lässt sich nach Einschätzung des WWFs nicht genau sagen. Alleine der Umsatz mit illegal gefangenen Fischen beläuft sich in ganz Afrika auf 4 bis 9 Milliarden Dollar pro Jahr. Mit dem Handel von Wildtieren werden bis zu 10 Milliarden und mit dem Holzhandel etwa 7 Milliarden Dollar umgesetzt.

Durch die Tatsache, dass Wilderei und illegaler Holzabbau nicht konsequent bekämpft werden, sei der kriminelle Handel mit diesen Produkten so attraktiv. „Das Risiko, erwischt zu werden, ist einfach viel zu gering“, sagte Carter Roberts vom WWF im Gespräch mit dem Guardian weiter. „Viele Wildtiere werden in Afrika direkt vor unseren Augen gewildert. Die Aufsichtbehörden sind den Wilderern technisch oft unterlegen.“ Im Bouba Ndjida Nationalpark in Kamerun beispielsweise hätten Wilderer mehrere Hundert Elefanten mit modernen Waffen regelrecht abgeschlachtet.

photo by: wwarby
Kofi Annan übt Kritik an internationalen Konzernen in Afrika

Kofi Annan: Kritik an Konzernen in Afrika

Kofi Annan übt Kritik an internationalen Konzernen in Afrika

Kofi Annan übt Kritik an internationalen Konzernen in Afrika

In Berlin findet zurzeit die Konferenz „Ernährung sichern – Zukunft ernten“ statt. Kofi Annan, der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, kritisierte dort die Strategien von Großkonzernen in Afrika.

„Es gibt viele europäische, asiatische und US- Konzerne, die in Afrika Land aufkaufen, um Nahrungsmittel für die eigenen Märkte zu produzieren. Diese Praxis kommt effektiv einem Landraub gleich“, sagte Annann auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. „Es ist wichtig, dass man das Land, das in Afrika zur Verfügung steht für die Produktion von Lebensmitteln nutzt. Vor allem muss dies aber den Menschen in Afrika zugute kommen. Danach erst sollten diese Produkte dem Export dienen.“

Seit vielen Jahren betreiben Großkonzerne aber genau die gegenteilige Politik. „Stellen Sie sich das doch einmal vor: In einigen Regionen Afrikas leiden die Menschen Hunger und Agrarunternehmen aus dem Ausland betreiben dort beispielsweise Getreideanbau im großen Stil“, erläuterte Annan weiter. „Das Getreide wird aber nicht für die Afrikaner produziert, sondern auf europäischen oder asiatischen Märkten verkauft. Das geht nicht.“

Kofi Annan sprach sich für die Förderung der Zusammenarbeit von internationalen Konzernen und kleineren einheimischen Agrarbetrieben aus, die dann für den lokalen Bedarf produzieren. „Wir unterstützen die Ernährungsforschung, von der auch Afrika profitieren wird, jährlich mit 20 Millionen Euro“, sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel. „Afrika wird in der Lebensmittelproduktion der Zukunft eine große Rolle spielen. In Afrika sind die Steigerungsmöglichkeiten in der Agrarproduktion im Vergleich zu allen anderen Weltregionen  am höchsten.“

„Ernährung und Hunger sind noch immer noch zentrale Themen in Afrika“, erläuterte Kofi Annan weiter. „Auf der Welt insgesamt leidet noch immer einer von acht Menschen an Hunger.“ Annan stammt aus Ghana. Er wurde am 8. April 1938 in der Stadt Kumasi geboren, damals war Ghana noch eine britische Kolonie. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften in den USA arbeitete er zunächst in der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (UN). Anschließend war beim Staat Ghana als Tourismusdirektor angestellt. Nach weiteren Jahren bei der Organisation der Vereinten Nationen wurde er 1996 zu deren Generalsekretär gewählt.